Anmeldung zum Kolloquium zur Glockenkunde 2016 online

Ab heute finden Sie auf unserer Internetseite die Einladung, das Programm sowie das Anmeldeformular zum 24. Kolloquium zur Glockenkunde in Braunschweig.

Öffentlichen Muezzinruf und Glockengeläut nicht gleichsetzen

Seit geraumer Zeit wird nicht selten in aktuellen politischen Diskussionen der öffentliche Ruf des islamischen Muezzin („Es ist kein Gott außer Allah.“ – „Ich bezeuge, daß Mohammed Allahs Gesandter ist.“) als islamisches Pendant zum weltlichen oder kirchlichen Glockenläuten Europas gesehen und bisweilen gleichgesetzt. Deshalb möchte das Deutsche Glockenmuseum auf einen entscheidenden Unterschied aufmerksam machen. Dieser ist inhaltlicher Art: Das nonverbale Glockengeläut war immer und ist für sich ein abstraktes musikalisches Signal, dessen Zweck und Gehalt wie bei einem abstrakten Gemälde der freien individuellen Interpretation unterliegen und das daher keinen Hörer inhaltlich nötigt: Vollkommen unabhängig von einer etwaigen liturgischen Funktion des Läutens oder der Glockeninschrift wird akustisch wahrnehmbar keinerlei explizite weltliche oder religiöse Aussage gemacht. Bestes Beispiel ist neben dem europaverbreiteten Zeitläuten das Läuten prominenter Kirchenglocken wie der Petersglocke des Kölner Domes oder der Erfurter Gloriosa oder das viermal jährlich stattfindende 50stimmige weltliche Große Stadtgeläute der Stadt Frankfurt am Main, deren Erklingen auch konfessionslose, „religiös unmusikalische“ oder ortsfremde Menschen in ihren Bann zieht. Dagegen ist der verbale Muezzinruf – auch in einer ortsfremden Sprache – eine zudem noch politisierbare apodiktische Aussage mit exklusivem Absolutheitsanspruch auch gegenüber Dritten. Ein gleichwertiges Pendant zum öffentlich vorgetragenen Muezzinruf wäre demnach das Singen oder Rufen entsprechend exkludierender christlicher Gebetstexte und Glaubensaussagen vom Kirchturm ggf. mit Hilfe elektronischer Verstärkung in Form von Lautsprechern. Beides verstieße jedenfalls als öffentliche Freiluft-Kundgebung in gleicher Weise gegen die (auch negative) Religionsfreiheit des Grundgesetzes, die zu dessen unveränderlichem Kernbestand gehört und die Glaubensfreiheit aller Gläubigen wie Ungläubigen in gleicher Weise garantiert und schützt.

Dr. Konrad Bund, Wissenschaftlicher Leiter des Deutschen Glockenmuseums e.V.

 

Das Mitglied unseres Wissenschaftlichen Beirats Dr. Klaus Hammer, Wissenschaftlicher Leiter des Glockenmuseums Stiftskirche Herrenberg, hat sich in einem kurzen Aufsatz intensiv mit dem Vergleich Muezzinruf und Glockengeläut auseinandergesetzt. Seine unten zum Download zur Verfügung stehenden Ausführungen sind zur Lektüre empfohlen.

Der Aufsatz ist veröffentlicht in Nr. 13 unserer Reihe „Schriften aus dem Deutschen Glockenmuseum“: Mensio – Descriptio – Structurarum Analysis – Interpretatio. Eine Festschrift für Konrad Bund zur Vollendung des 70. Lebensjahres, hg. von Rüdiger Pfeiffer-Rupp, Jan Hendrik Stens und Jörg Poettgen (†), Gescher (Westf.) 2015, S. 317-320.

pdficon_largeDr. Klaus Hammer: Kann man den Gebetsruf des islamischen Muezzins mit dem liturgischen Läuten der Kirchen gleichsetzen? Ein Diskussionsbeitrag zu einem aktueller werdenden Thema.

 

Geläute des Monats Mai 2016

Die große Glocke - 1494 von Bernart Lachaman gegossen

Die große Glocke – 1494 von Bernart Lachaman gegossen

Die Glocken von St. Vitus zu Heuchlingen im Ostalbkreis

Die Vituskirche im kleinen Ort Heuchlingen beherbergt vier Glocken, von denen drei mittelalterliche Instrumente aus dem Kloster Neresheim stammen. In Heuchlingen befinden sich die vier Glocken auf drei Geschossen im Turm verteilt.

Lesen Sie dazu einen Bericht von Daniel Orth (A-Dornbirn).

In den nachstehenden Videos hören Sie die Einzelglocken sowie das Plenum.

Neue Musterdatei für das Jahrbuch für Glockenkunde online

Für einzureichende Beiträge für das Jahrbuch für Glockenkunde wurde eine neue Musterdatei in der Version 2016 erstellt. Sie finden diese hier zum Download.

Autoren für das Geläute des Monats gesucht

Seit Anfang des Jahres 2016 konnte leider in der Rubrik Geläute des Monats kein Beitrag mehr veröffentlicht werden. Grund sind fehlende Beiträge und Autoren mit der Bereitschaft einen Beitrag einzureichen.

An dieser Stelle bittet das Deutsche Glockenmuseum e.V. seine Mitglieder, aber auch externe Campanologen und Glockeninteressierte, Beiträge einzureichen, damit die eingeführte Tradition monatlich erscheinender Berichte zu Geläuten fortgeführt werden kann.

Gründung des Österreichischen Glockenarchivs

Das im Jahre 2015 gegründete Österreichische Glockenarchiv mit Sitz in Stockerau (Niederösterreich) ist eine Institution, welche vornehmlich den Glockenbestand Österreichs und Südtirols, sowohl des gegenwärtigen als auch den früherer Epochen in Wort, Ton und Bild dokumentiert und archiviert.
Dabei sollen nicht nur die Glocken alleine, sondern auch deren Zubehör (Armaturen, Glockenstühle) festgehalten werden. Ein weiteres Anliegen des Österreichischen Glockenarchivs sind die traditionellen Läutetechniken, und hier vor allem das Klöppelfangen sowie die Läutebrauchtümer, welche hierzulande (noch) praktiziert werden.

Zielsetzungen sind die dauerhafte und gesicherte Archivierung von erworbenen Daten (Ton-, Bild-, Videodokumente, Literatur, Quellenunterlagen etc.) und auch von glockenkundlichen Objekten (z. B. Armaturteile) sowie die Erforschung und Dokumentation der gesammelten Informationen; auch wissenschaftliche Forschungstätigkeit im Bereich der Glockenkunde sowie Beratung hinsichtlich von Läutetechniken sowie zu Fragen zum Glockenbestand wird angestrebt.

Die Tätigkeit des Österreichischen Glockenarchivs erstreckt sich u. a. auf:

  • den Besuch von Türmen und der Dokumentation diverser Geläuteanlagen sowie der Läutepraktiken (Anfertigen von Tonaufnahmen, Fotos, Videos)
  • regelmäßige Treffen zwecks Informations- und Gedankenaustausch
  • Erklären bzw. Vorführung von traditionellen Läutetechniken (z. B. Klöppelfangen)
  • Veröffentlichung von Informationen hinsichtlich des Glockenbestandes sowie von Läutepraktiken
  • sowie den Aufbau einer Bibliothek zwecks Archivierung der gesammelten Informationen

Österreichisches Glockenarchiv
A-2000 Stockerau
Zentrales Vereinsregister: 668271727
E-mail: glockenarchiv[at]gmx.at

Filmaufnahmen in angeblichem Auftrag des DGM

Seit geraumer Zeit gibt es diverse Anfragen von Einzelpersonen an Pfarrgemeinden, deren Geläuteanlagen bei laufendem Betrieb zu filmen. In diesen Anfragen wird bisweilen die Mitgliedschaft im Verein Deutsches Glockenmuseum e.V. erwähnt und angegeben, die Filmaufnahmen würden in dessen Auftrag oder in Kooperation mit diesem durchgeführt und dienten dem Archiv der Einrichtung.

Das Deutsche Glockenmuseum versteht sich als wissenschaftliche Einrichtung zur Erforschung der Glockenkunde in ihren verschiedenen historischen, musikalischen und technischen Disziplinen. Seine wissenschaftlichen Unternehmungen erfolgen durch seine wissenschaftlichen Organe (Wissenschaftlicher Leiter, Historische Kommission, Herausgeberkollegium).

Private campanologische Tätigkeiten seiner Mitglieder wie auch Dritter begrüßt das DGM e.V. solange, als sie seinen wissenschaftlichen Ansprüchen gerecht werden und seinem gemeinnützigen Auftrag dienen. Es gibt jedoch von Seiten des DGM keinerlei Aufträge ohne ausdrückliche schriftliche Legitimation durch die verantwortlichen Gremien des DGM. Ansonsten handeln alle Mitglieder des DGM sowie Dritte entweder im Auftrag der Einrichtung, für welche sie beruflich tätig sind (Diözese, Landeskirche, Denkmalamt etc.), dritter Institutionen oder Personen oder aus rein privatem Antrieb.

Prof. Dr. Rüdiger Pfeiffer-Rupp
(Erster Vorsitzender des
Deutschen Glocken-museums e. V.)
Dr. Konrad Bund
(Ehrenvorsitzender und Wissenschaftlicher Leiter des Deutschen Glockenmuseums e. V.)
Jan Hendrik Stens, Dipl.-Theol., M.A.
(Stv. Vorsitzender des Deutschen Glocken-museums e. V.)

Geläute des Monats Dezember 2015

Ein Nationalsymbol der britischen Welt: Big Ben und die Westminster Chimes

Die Uhrschlagmelodie des britischen Parlaments in Londons Stadtteil Westminster ist als klangliches Nationalsymbol für Großbritannien nicht wegzudenken. Dennoch wird voraussichtlich im kommenden Jahr der Klang des Uhrschlags für eine grundlegende Überholung schweigen müssen. Lesen Sie dazu einen ausführlichen Bericht von Prof. Dr. Rüdiger Pfeiffer-Rupp (Köln).

Die nachfolgenden Tonbeispiele wurden von Prof. Dr. Rüdiger Pfeiffer-Rupp in der Glockenstube aufgezeichnet.

Viertelstundenschlag

 

Halbstundenschlag

 

Dreiviertelstundenschlag

 

Vollstundenschlag ohne Big Ben

 

Big Ben zum Stundenschlag

Geläute des Monats November 2015

Paulskirche Frankfurt am Main – By Mylius (Own work) [GFDL or CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons

Das Geläute des Nationaldenkmals Paulskirche zu Frankfurt am Main – Teil 3

Als nationales Denkmal besitzt die Paulskirche in Frankfurt am Main mit ihrem Status als Haus aller Deutschen einen besonderen Rang, wurde hier doch deutsche Demokratiegeschichte geschrieben.
Nicht minder bedeutend und wechselvoll ist die Geschichte des Geläutes dieser Kirche. In einer dreiteiligen Serie beschreibt Dr. Konrad Bund die Geschichte des bedeutenden Geläutes der Paulskirche von der Vergangenheit bis zur Gegenwart. Lesen Sie im Monat November den dritten und letzten Teil seines Berichts.
Bericht Teil 3a
Bericht Teil 3b

Historisches Motiv mit der Jubiläumsglocke: 3-4-5-6. Turminnenaufnahme 11.09.2015, aufsteigend

Historisches Motiv mit der Christusglocke: 3-4-5-6. (Simulation mit Aufnahme der Christusglocke des1 (Slg. Bund) und den Glocken 4-5-6 der Turminnenaufnahme vom 11.09.2015)             

Smets-Plenum mit Christusglocke: fis0 & h0 – h0 & e1 – cis1 – e1
Aufnahme Christusglocke aus Slg. Bund, 1, 2 und 4 aus Turminnenaufnahmen vom 11.09.2015

Smets-Plenum mit Jubiläumsglocke: fis0 & h0 – h0 & e1 – cis1 – e1
Simulation aus Turminnenaufnahmen vom 11.09.2015

Vereinigungsgeläute beider Plenen (mit Jubiläumsglocke) fis0 – h0 – cis1– e1 – g1 – h1. Simulation aus Turminnenaufnahmen vom 11.09.2015

Kolloquium 2016 zu Gast in Braunschweig

Zum Abschluß des diesjährigen 23. Kolloquiums zur Glockenkunde in Gescher wurde der Tagungsort für das Jahr 2016 benannt. Das Kolloquium wird dann im niedersächsischen Braunschweig zu Gast sein. Wie bei auswertigen Kolloquien üblich, wird es eine ganztägige Glockenexkursion durch die Stadt geben in der die campanologisch bedeutenden Geläute besichtigt und gehört werden. Darüber hinaus wird optional eine weitere Exkursion im Nachgang des Kolloquiums angeboten werden. Das Kolloquium 2016 wird vom 30. September bis 3. Oktober 2016 stattfinden. Nachstehend können Sie sich in einem kurzen Filmbeitrag einige Eindrücke von Braunschweig machen.