Geschichte

Der heutige eingetragene Verein Deutsches Glockenmuseum e. V. (seit 2012 ohne den bisherigen Zusatz „auf Burg Greifenstein“) ging 1993 aus der 1984 gegründeten nicht rechtsfähigen Stiftung Deutsches Glockenmuseum hervor, deren Eigentümer und Rechtsnachfolger er seit 1994 ist. Seither nutzte er von ihm gemietete Räumlichkeiten auf der Burg Greifenstein. Das von ihm unterhaltene und wissenschaftlich betreute Deutsche Glockenmuseum zeigte bisher Glocken aus acht Jahrhunderten und aus unterschiedlichen Eigentumsverhältnissen. Neben der Betreuung der eigenen Glockenausstellung, zusätzlichen Sonderausstellungen in Greifenstein und in der Region (Wetzlar) beteiligte sich das DGM führend an wichtigen campanologischen Ausstellungen (Frankfurt 1986, Erfurt 1997).

Die Erfurterin bei Ihrem Umzug nach Gescher

Verladung der Erfurter Glocke in Greifenstein am 6. Mai 2011 (Photo: D. Romfeld).

Da der Burg-Eigentümer Greifenstein-Verein inzwischen die Kooperation mit dem DGM durch einseitige Vertragskündigung beendet, die 1994 diesem vermieteten Räume gekündigt und ihre Räumung zum Jahresende 2010 verlangt hat, sah sich der DGM e.V. veranlaßt, die schon in der Vergangenheit enge Zusammenarbeit mit dem Westfälischen Glockenmuseum in Gescher weiter zu intensivieren und seine Einrichtungen (Geschäftsstelle, Bibliothek, Archiv) aus den freizumachenden Mieträumen in Greifenstein in von der STADT GESCHER kostenlos zur Verfügung gestellte Räume (Heinrich-Hörnemann-Haus, Lindenstr. 2, 48712 Gescher) zu verlegen.

Die Erfurter Glocke in Gescher (Photo: K. Bund).

Seine aus dem Rheinland, Nord-, Mittel- und Ostdeutschland stammenden Glocken werden jetzt in Räumen des Westfälischen Glockenmuseums ausgestellt und verleihen diesem einen zusätzlichen überregional-deutschen Aspekt.

Das Deutsche Glockenmuseum war und ist das einzige Glockenmuseum in Deutschland, das systematische wissenschaftliche Forschung und Publikation betreibt. Seine wissenschaftliche Arbeit wird getragen von einem mit namhaften Campanologen aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, den Niederlanden und Ungarn besetzten sechzehnköpfigen wissenschaftlichen Beirat und nach dem Tode von Jörg Poettgen noch dreiköpfigen Herausgeberkollegium für die Publikationen des Deutschen Glockenmuseums.

Ein weiteres wissenschaftliches Standbein der Vereinstätigkeit ist die Unterhaltung und der laufende Ausbau der alle Teilgebiete der Campanologie umfassenden fachwissenschaftlichen Präsenzbibliothek, der größten Spezialbibliothek dieser Art auf dem europäischen Kontinent. Das Archiv des DGM sammelt Unterlagen zur Glockengeschichte und -kunde, darunter so wichtige Quellen wie den Nachlaß Theo Fehn, und Tonträger.

Vor allem aber zielt die Tätigkeit des Vereins generell auf allgemeine Sammlung und Vermittlung von Erkenntnissen der capanologischen Wissenschaft. Diese erfolgen mit Hilfe regelmäßiger eigener, in aller Welt verbreiteter umfangreicher Publikationen, wie des von ihm herausgegebenen Jahrbuchs für Glockenkunde (bisher 26 Jahrgänge mit 6217 Druckseiten) und der Schriften aus dem Deutschen Glockenmuseum (bisher 10 Hefte mit 2145 Druckseiten), dazu bisher 13 CDs (Daten- und Tonträger), und auf den jährlich abgehaltenen Kolloquien zur Glockenkunde, an denen bisher nahezu 1100 Fachleute und Glockenfreunde aus aller Welt als Vortragende und Hörer teilgenommen haben. Der intensive Austausch mit anderen Glockenmuseen hat inzwischen bereits mehrfach zu Einladungen des Kolloquiums an andere Orte und ins benachbarte Ausland geführt.