Ausstellung zum Glockenguss in Frankenthal

Die aktuelle Ausstellung „Glockenguss in Frankenthal“ im Erkenbert-Museum in Frankenthal widmet sich der bedeutenden Tradition der Glockengießerei Hamm und macht ein faszinierendes Kapitel Frankenthaler Industrie‑ und Kulturgeschichte erlebbar. Anlass ist der 150. Jahrestag des Gusses der berühmten Kaiserglocke für den Kölner Dom, der als Höhepunkt der lokalen Glockengießertradition gilt.

Noch bis zum 12. April 2026 präsentiert das Erkenbert-Museum im Foyer seines Hauses eine Sonderausstellung zum Glockenguss in Frankenthal. Im Mittelpunkt steht die Entwicklung der Frankenthaler Glockengießereien vom 18. bis ins 20. Jahrhundert, insbesondere die Werkstatt der Familie Hamm.

Die Schau nimmt den Guss der Kaiserglocke von 1874 durch den Glockengießer Andreas Hamm zum Ausgangspunkt und beleuchtet, wie sich aus den frühen Gießereien zahlreiche metallverarbeitende Großbetriebe der Region entwickelten. Damit verbindet die Ausstellung Handwerks‑, Technik‑ und Stadtgeschichte zu einem anschaulichen Gesamtbild.

Die Glockengießerei Hamm und die Kaiserglocke

Familie von Andreas Hamm 1874 vor der von ihm gegossenen Kaiserglocke für den Kölner Dom. Foto: gemeinfrei
Familie von Andreas Hamm 1874 vor der von ihm gegossenen Kaiserglocke für den Kölner Dom. Foto: gemeinfrei

Die Wurzeln der Frankenthaler Glockengießerei reichen in das Jahr 1773 zurück, als der Betrieb von Georg Friedrich Schrader von Worms nach Frankenthal verlegt wurde. Später übernahm die Familie Hamm die Tradition und führte sie zur Blüte.

Besonderes Augenmerk gilt der Kaiserglocke des Kölner Doms, die zur Zeit ihres Gusses die größte freischwingende Glocke der Welt war. Sie bildet den dramaturgischen Höhepunkt der Ausstellung und steht exemplarisch für die technische Meisterschaft und den überregionalen Ruf der Gießerei Hamm.

 

Exponate und Medienerlebnisse

Die Ausstellung kombiniert historische Objekte mit modernen Medien, um den komplexen Prozess des Glockengusses nachvollziehbar zu machen. Werkzeuge, Modelle, Dokumente, Grafiken sowie persönliche Erinnerungsstücke der Glockengießerfamilien veranschaulichen jeden Arbeitsschritt vom Entwurf bis zur fertigen Glocke.

Zahlreiche Leihgaben – darunter eine halbe Glocke der Straßburger Gießerei Vögele, originale Gipsreliefs für die Glocken der Dresdner Frauenkirche und ein Gemälde von Martin Adam Foeller – erweitern den Blick über Frankenthal hinaus. Über QR‑Codes können Besucher die Klänge verschiedener Glocken aus Frankenthaler Produktion hören und so die akustische Dimension des Handwerks unmittelbar erleben.

Historischer Stummfilm von 1929

Ein besonderes Highlight ist ein digitalisierter Stummfilm aus dem  Jahr 1929, der einen Glockenguss in der Gießerei Andreas Hamm Sohn in Frankenthal dokumentiert. Der Film gewährt seltene Einblicke in die Arbeitsabläufe, die Atmosphäre in der Gießerei und die Zusammenarbeit der beteiligten Facharbeiter.​ Nachstehend ist dieser Film zu sehen.

Rahmenprogramm

Die Ausstellung ist so konzipiert, dass sie sowohl Fachpublikum als auch interessierte Laien anspricht. Ein einführender Teil zur Kulturgeschichte der Glocken erklärt ihre religiöse, gesellschaftliche und akustische Bedeutung und erleichtert den Zugang zum Thema.

Ein vielseitiges Rahmenprogramm mit Vorträgen, Filmvorführungen, Lesungen und Führungen vertieft einzelne Aspekte wie Technikgeschichte, Stadtentwicklung und Familienbiografien. Damit fügt sich die Schau in das Profil des Erkenbert-Museums ein, das die Geschichte Frankenthals mit zeitgemäßen Vermittlungsformen erlebbar machen möchte.

Besuchsinformationen

Die Ausstellung „Glockenguss in Frankenthal“ ist im Erdgeschoss des Erkenbert-Museums, Rathausplatz 2-7 in 67227 Frankenthal (Pfalz), zu sehen. Während der Sanierung des übrigen Museums dient das Foyer als attraktiver Ausstellungsort und bietet einen barrierearmen Zugang.

Öffnungszeiten:
Dienstag: 10:00 – 18:00 Uhr
Mittwoch bis Sonntag: 14:00 – 18:00 Uhr